Untersuchungsdesign

Bei unserer Forschung zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) handelt es sich um ein Praxisforschungsprojekt, das einen Mixed Method Ansatz verfolgt (qualitative und quantitative Forschungsphasen). Gemäß den Prinzipien transdisziplinären Forschens ist das Einbeziehen der Praxispartner bedeutsam, dies erfolgt u.a. durch den jährlich stattfindenden fachwissenschaftlichen Projektbeirat.

Die erste explorative, qualitative Projektphase fokussiert  die empirische Rekonstruktion beruflicher Habitusformationen von Professionellen unterschiedlicher disziplinärer Herkunft im Arbeitsfeld SAPV. In Anlehnung an eine fokussierte Ethnographie (Knoblauch, 2001) werden teilnehmender Beobachtungen hessenweit in SAPV-Teams durchgeführt. Vorteil dieses Vorgehens ist es, auch die nonverbale Dimension der Interaktion beobachten zu können, von SAPV-Tätigen untereinander, mit den Schwerstkranken, ihren Angehörigen und Ehrenamtlichen, also in der konkreten Versorgungssituation. Im Rahmen der soziogenetischen Rekonstruktion (vgl. Bohnsack, 2010) erfolgt eine  auf empirischer Basis zu entwickelnde Typenbildung. Da wir mit der Hypothese einer „transdisziplinären Professionalität“, davon ausgehen, dass sich die Anforderungen einer mehrdimensional ausgerichteten, ganzheitlichen Versorgung schwerstkranker und Sterbender Menschen dem Zugriff spezialisierter Einzeldisziplinen entziehen, ist zu prüfen, in wie weit die gebildeten Typen einen Bezug zu einer spezifischen Disziplin aufweisen.

Mittels qualitativer Interviews (problemzentrierte Interviews, Experteninterviews und "ero-epische Gespräche in Anlehnung an Girtler (2001))werden in einem nächsten Schritt Bedarfsmuster ermittelt, um vor diesem Hintergrund eine transdisziplinäre Professionalität im Rahmen von SAPV zu konkretisieren.

Die anschließende quantitative Projektphase umfasst eine standardisierte Online-Befragung zur konkreten Ausgestaltung von SAPV. Der entwickelte Fragebogen wird nach einem Pretest bei den verschiedenen Professionsgruppen von SAPV sowie bei den schwerkranken Menschen zur bundesweiten Bestands- und Bedarfsermittlung eingesetzt und deskriptiv und interferenzstatistisch ausgewertet.

Vor dem Hintergrund der Forschungsergebnisse soll ein wissenschaftlich fundiertes modulares Konzept zur Weiterentwicklung der Aus-, Fort- und Weiterbildungscurricula Palliative Care entwickelt werden. Schließlich geht es dann in einem letzten Schritt um die formative Evaluation (vgl. May, 2010) der vor diesem Hintergrund im Projekt gemeinsam mit den Praxispartnern entwickelten und erprobten innovativen Ansätze einer transdisziplinären Professionalität im Bereich SAPV in unterschiedlichen regionalen Sozialräumen.

Grafik: Untersuchungsdesign

Forschungsdesign

 

 

Grounded Theory und erg.

qualitative Verfahren

 

 

Quantitativer Ansatz

 

 

 

 

Forschungsziele

 

 

Habitusformationen, Arbeitsbündnisse

 

Fragebogenitems

generieren

 

Bedarfsanalyse

 

 

 

 

Datenerhebung

 

 

Teilnehmende Beobachtungen

und Interviews

 

 

Online-Befragung,

bundesweit

 

 

 

 

Datenanalyse

 

 

Kodieren gemäß GTM und

ergänzende Analysen

 

 

deskriptive Statistik,

Interferenzstatistik

 

 

 

Verwendung,

Evaluation

 

 

 

ggf. anschließendes Forschungsprojekt

 

 

 

         

 

Literatur

Bohnsack, R. (2010). Dokumentarische Methode. Budrich: Opladen.

Girtler, R. (2001). Methoden der Feldforschung. 4., völlig neu bearb. Aufl. Wien, Köln, Weimar: Böhlau.

Knoblauch, H. (2001). Fokussierte Ethnographie,. Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung(1),S. 123-141.

May, M. (2010). Evaluationsforschung. In K. Bock & I. Miehte (Hrsg.), Handbuch qualitative Methoden in der Sozialen Arbeit. S. 305-313. Opladen Budrich.